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Gibt es Winterreifen für LKWs?

Kenda WinterreifenWenn es schneit, gehören sie häufig zu denjenigen, für die es kein Vorankommen mehr gibt: LKWs bleiben bereits an kleineren Anstiegen hängen und machen damit auch für viele PKW ein Vorankommen beinahe unmöglich. Viele Autofahrer fragen sich deswegen, ob LKWs ebenso mit Winterreifen unterwegs sind, wie sich die Gesetzeslage für Sie gestaltet und worauf Brummifahrer achten müssen. Wir möchten viele offene Fragen, die es rund um die Winterreifen bei LKWs gibt, beantworten und erklären Ihnen, welche besonderen gesetzlichen Regelungen zutreffen. Bislang unterscheidet sich im deutschen Gesetz die Vorgabe für LKWs nämlich von der Winterreifenpflicht für PKW deutlich.

LKWs haben keine generelle Winterreifenpflicht

Gibt es Winterreifen für LKWs?Für viele Autofahrer klingt es absurd, doch für LKWs gibt es in Deutschland keine generelle Winterreifenpflicht. Ausgenommen von der Bereifung auf den Antriebsachsen müssen die LKWs nicht von Sommer- auf Winterreifen wechseln. Auch der Wechsel zurück muss demnach nicht erfolgen.

Schauen wir uns zunächst die gesetzlichen Vorgaben an:

  • Der Gesetzgeber schreibt vor, dass die Antriebsachsen der LKWs mit Winterreifen ausgestattet werden müssen.
  • M+S Reifen sind auf den Antriebsachsen erforderlich, sobald Schnee und Eis die Straße bedecken und damit ein Vorankommen mit Sommerreifen kaum mehr möglich machen.
  • Die weiteren Achsen des Fahrzeugs können mit den normalen LKW-Reifen bestück werden.
  • LKW-Reifen fallen durch die besonderen Gummimischungen auf. Die Hersteller verarbeiten hier einen besonderen hohen Naturkautschukanteil. Während die Sommerreifen für den PKW im Winter aufgrund der kalten Temperaturen aushärten, ist dies bei den Winterreifen nicht der Fall. Der Naturkautschuk hält die Reifen angenehm weich.

Wie viel Naturkautschuk in den LKW-Reifen genau vorhanden ist, hängt natürlich auch von dem Hersteller und dem jeweiligen Reifenmodell ab. In vielen Fällen sind es aber bis zu 80 Prozent. Aufgrund dieses enormen Anteils sieht der Gesetzgeber LKW Reifen übrigens ganz klassisch als Ganzjahresreifen an.

Im Winter sind LKWs mit unterschiedlichen Reifenprofilen auf den Achsen unterwegs, um ein sicheres Vorankommen zu garantieren.

Achse Hinweise
Antriebsachse Auf der Antriebsachse werden beim LKW Reifen eingesetzt, die über ein Stollenprofil verfügen. Stollenprofile haben einen ausgeprägteren Negativanteil.
Lenkachse An der Lenkachse des LKWs sind stattdessen die sogenannten Längsrillenprofile enthalten. Diese besitzen mehrere Querlamellen.

Welche LKWs müssen auf der Antriebsachse mit M+S-Reifen unterwegs sein?

Wann zumindest auf der Antriebsachse der Wechsel von Ganzjahres- zu M+S-Reifen erfolgen muss, hängt in erster Linie von den Fahrzeugklassen ab, denen die einzelnen LKWs zugeordnet sind.

TIPP: Übrigens unterliegen nicht nur LKWs der Regelung mit den M+S-Reifen. Diese gilt grundsätzlich auch für Busse, die für die Personenbeförderung eingesetzt werden.

Grundsätzlich müssen sämtliche Fahrzeuge die Regelung für die M+S-Reifen befolgen, die folgenden Fahrzeugklassen zugeordnet werden:

Abkürzung Hinweise
M2
  • Kraftfahrzeuge für die Personenbeförderung
  • wenigstens vier Räder
  • mehr als 8 Sitzplätze
  • maximales Gewicht: 5 Tonnen
M3
  • für die Personenbeförderung entwickelte Kraftfahrzeuge
  • mindestens 4 Räder und mehr als 8 Sitzplätze neben dem Fahrersitz
  • Gesamtmasse: über 5 Tonnen
N2
  • Fahrzeuge für die Beförderung von Gütern
  • Kraftfahrzeuge mit wenigstens 3,5 bis maximal 12 Tonnen
  • mindestens 4 Räder
N3
  • Lastkraftwagen zur Beförderung von Gütern aller Art
  • mindestens vier Räder
  • Gesamtgewicht über 12 Tonnen

Auch wenn die Winterreifen für die LKWs nur auf den Antriebsachsen Pflicht sind, gibt es hier mittlerweile natürlich auch Hersteller, die für sämtliche Achsen die passenden M+S-Reifen anbieten. Damit soll vor allem ein besseres Vorankommen gewährleistet werden.

Sollten alle Achsen mit Winterreifen ausgestattet werden?

Die meisten Speditionen ziehen die Winterreifen lediglich auf den Antriebsachsen auf. Dabei gibt es aber durchaus Argumente, die dafür sprechen, alle Achsen mit M+S-Reifen zu versehen. In erster Linie muss hier natürlich die Sicherheit genannt werden. Wenn alle Achsen eines LKWs mit speziellen Winterreifen versehen sind, profitieren davon in erster Linie die Bremswege. Diese können dann nämlich deutlich minimiert werden. So umfasst der Bremsweg in diesem Fall rund 50 Meter weniger, was bei einer Gefahrensituation Unfälle vermeiden und Leben retten kann.

Aus Sicherheitssicht sollten sich also alle Speditionen zumindest mit der Möglichkeit auseinandersetzen, die Winterreifen auf sämtlichen Achsen aufzuziehen. Übrigens gehen nicht alle Länder so leger mit der Winterreifenpflicht für LKWs um. Es gibt hier durchaus europäische Ausnahmen wie beispielsweise Norwegen. In Norwegen müssen die Winterreifen auf sämtlichen Achsen aufgezogen werden.

In Österreich gelten ähnliche Regelungen wie in Deutschland. M+S-Reifen sind auch hier auf den Antriebsachsen Pflicht. Es gibt aber eine Ausnahme: Die Polizei geht hier um einiges härter mit LKWs ins Gewicht, die sich nicht an diese Regelung halten. So reicht in Österreich eine Profiltiefe von 1,6 mm bei weitem nicht aus. Es werden hier wenigstens 5 Millimeter gefordert, womit sich die österreichischen Behörden den Empfehlungen der deutschen Fahrzeugexperten zumindest annähern.

Trotz Winterreifen kein Vorankommen: Das sind die Gründe

Auch wenn die Winterreifen auf der Antriebsachse moniert sind, bleiben viele LKWs im Winter schon an kleinen Anstiegen stecken. Entgegen der Annahme vieler Autofahrer sind hierfür aber keineswegs die fehlenden Winterreifen verantwortlich. Kommt ein LKW im Winter nicht mehr voran, ist das meistens das Resultat einer ungünstigen Verteilung der Last.

Gerade im Winter braucht die Antriebsachse ein gewisses Gewicht. Sie sollten also darauf achten, dass der mögliche Gewichtsrahmen für die Antriebsachse ausgenutzt wird. Umso mehr Ballast auf dieser lastet, desto einfacher wird es schließlich für Sie, mit dem LKW voranzukommen. Lastet dagegen kaum Gewicht auf der Antriebsachse, lassen die Probleme bei winterlichen Straßenverhältnissen oftmals nicht lange auf sich warten.

Hinweis: Der Lastverteilungsplan, der vor der Abfahrt mit dem beladenen LKW erstellt wird, sollte auf jeden Fall den Witterungsverhältnissen angepasst werden.

Doch warum ist ein hohes Gewicht auf der Antriebsachse so wertvoll? Die Antwort ist simpel: Umso mehr Gewicht auf der Antriebsachse lastet, desto mehr Bodenhaftung haben Sie. Sie können den LKW also viel sicherer lenken und steuern. Die stärkere Bodenhaftung macht sich dann auch bergauf positiv bemerkbar. Fehlt der Antriebsachse das Gewicht und wird dieses bevorzugt auf die anderen Achsen verteilt, ergibt sich darauf ein erhebliches Gefahrenpotenzial. Die Zugmaschine wird dann nämlich durch den Anhänger „geschoben“. Sie können den Lastzug aktiv nur noch sehr schwer lenken und in der Spur halten, weshalb in diesem Fall Unfälle leider mehr die Regel als die Ausnahme sind.

Sind Schneeketten die Lösung

Zweifelsohne ist der Winter für die meisten Brummifahrer eine deutliche Belastungsprobe, die keineswegs unterschätzt werden sollte. Es gibt aber Hilfsmittel, die auch bei schwierigen Straßenverhältnissen tatsächlich eine Lösung versprechen. Die Rede ist von Schneeketten. In Deutschland werden sie in vielen Regionen eher stiefkindlich behandelt. Dass es auch anders geht, beweist die Schweiz. Hier verzichtet der Gesetzgeber auf schärfere Anforderungen hinsichtlich der Profiltiefe, schreibt aber beispielsweise Schneeketten vor. In der Tat sind Schneeketten für LKW-Fahrer eine ungemein wichtige Unterstützung.

Auch wenn die Handhabung eher schwierig ist, haben die Schneeketten einen entscheidenden Vorteil. Sie ermöglichen auf schneebedeckter Fahrbahn auch dann ein sicheres Vorankommen, wenn der Räumdienst nicht in der Nähe zu sehen ist. Beim Aufziehen der Schneeketten ist natürlich auch für LKW-Fahrer Sicherheit das oberste Gebot. So müssen Sie immer dafür Sorge tragen, dass Sie sich selbst, aber auch andere Verkehrsteilnehmer nicht in eine Gefahrensituation bringen.

Vor- und Nachteile von Winterreifen für LKW

  • unterstützen ein Vorankommen auch bei winterlichen Straßenverhältnissen
  • erhöhen die Sicherheit
  • sorgen für mehr Grip
  • unterstützen eine sichere Steuerung
  • Profil auf winterliche Straßenverhältnisse abgestimmt
  • Weiterfahrt entscheidend von einer guten Lastenverteilung abhängig
  • bislang nur auf einzelnen Achsen des LKWs vorgeschrieben

Fazit: LKW Winterreifen sind unerlässlich bei winterlichen Straßenverhältnissen

Während es in diesen Tagen noch ausreicht, nur die Antriebsachsen mit M+S-Reifen auszustatten, muss hier ab dem 1. Juli 2020 umgedacht werden. Zu diesem Zeitpunkt endet eine Übergangsfrist und mit dem Ende dieser ist es auch erforderlich, ebenso die Lenkachsen mit der passenden Winterbereifung zu versehen. Dies gilt für alle LKW, die ein Gewicht von wenigstens 3,5 Tonnen aufweisen. Die sogenannten M+S-Reifen dürfen noch bis 2024 verwendet werden. Ab Oktober 2024 sind nur noch Reifen zulässig, die mit dem nötigen Alpine-Symbol versehen sind. Auch wenn bislang Winterreifen noch nicht auf allen Achsen vorgeschrieben sind, sollten Speditionen darüber nachdenken, denn grundsätzlich können die speziellen M+S-Reifen den Bremsweg der LKWs drastisch verkürzen. Dadurch können schwere Unfälle vermieden werden.

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