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Welche LKW-Vorschriften gelten im Winter?

BF-Goodrich WinterreifenAuch im Winter würde ohne LKW-Transporte unser Alltag, so wie wir ihn kennen, kaum möglich sein. Täglich werden Tonnen an Gütern in LKWs von A nach B transportiert. Im Winter kommen neben einem hohen Verkehrsaufkommen die schwierigen Straßenverhältnisse als zusätzliche Belastung dazu. Dabei wird es den LKW-Fahrern gerade im Winter nicht leicht gemacht, denn wenn Sie einmal auf den Straßen nicht mehr vorankommen, entwickeln sie sich rasch zum Ärgernis zahlreicher Autofahrer. Vielen Verkehrsteilnehmern, die außerhalb der Brummis unterwegs sind, ist aber gar nicht bewusst, welche gesetzlichen Vorschriften es gibt. Wir möchten hier ein bisschen Klarheit schaffen und haben die wichtigsten Vorgaben für LKWs im Winter in Deutschland zusammengefasst. Wir möchten für Sie aber auch einen Blick über die Grenzen werfen und Ihnen die Vorgaben hier verdeutlichen.

Neue Vorschriften wurde verschoben

Welche LKW-Vorschriften gelten im Winter?In Deutschland gibt es eine situative Winterreifenpflicht. Nach dieser sind Fahrzeugführer dazu verpflichtet, die Bereifung an die winterlichen Straßenverhältnisse anzupassen. Die Verpflichtung, dabei jeden Sommerreifen gegen einen sogenannten M+S-Reifen zu tauschen, gilt allerdings nur für PKW. LKWs, die ein Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen haben, sind davon ausgenommen. Doch warum eigentlich?

Immerhin sind sie es, die oft das Vorankommen auf der ganzen Straßen unmöglich machen:

  1. Die Zusammensetzung der LKW-Reifen macht die Verwendung von speziellen Winterreifen im Grunde überflüssig. Mit fast 80 Prozent haben die LKW-Reifen einen beachtlich hohen Anteil an Naturkautschuk. Bei kalten Temperaturen bewahrt sich der eingesetzte Naturkautschuk seine Beschaffenheit, er bleibt also weich und härtet nicht aus.
  2. Da die LKW-Reifen bei kalten Temperaturen nicht aushärten, verlieren Sie auch nicht an Grip. Das heißt: Sie können im Grunde als Ganzjahresreifen angesehen werden. Damit erfüllen Sie die Anforderungen der StVo.
  3. M+S Reifen gibt es auch für die LKWs. Sie werden in der Regel aber nur auf den Antriebsachsen montiert. Hier können sie jedoch in Kombination mit einer guten Lastenverteilung durchaus ein sicheres Vorankommen gewährleisten.

Reichte es bislang noch aus, lediglich die Antriebsachsen mit den M+S-Reifen auszustatten, müssen sich Speditionen und auch Brummifahrer in den kommenden Jahren auf Änderungen einstellen, denn ab dem Sommer 2020 sind die Winterreifen auch auf den Lenkachsen Pflicht, wenn die Straßenverhältnisse winterlich sind. Bislang gilt hier in Deutschland lediglich eine Übergangsfrist. Untersuchungen haben gezeigt, dass Winterreifen auf allen Achsen die Bremswege dann doch deutlich verkürzen können. So fallen diese teilweise bis zu 50 Meter geringer aus, wodurch eine bessere Reaktion in Gefahrensituationen möglich ist.

Welche Anforderungen werden an die Bereifung im Winter gestellt?

Wie bereits erwähnt, gibt es Winterreifen für LKWs von verschiedenen Herstellern wie beispielsweise Continental. Diese werden mittlerweile mit verschiedenen Kennzeichnungen angeboten. Die Unterschiede zwischen den Kennzeichnungen verdeutlicht die folgende Tabelle:

Kennzeichnung Hinweise
M+S Reifen Die M+S Reifen sind deutschlandweit bekannt. Sie gelten als die Winterreifen schlechthin. Die beiden Buchstaben stehen für Matsch und Schnee. Jahrelang waren diese Reifen die Grundlage, um den Anforderungen der Winterreifenpflicht gerecht zu werden. Doch schon in naher Zukunft werden die M+S Reifen Geschichte sein. Diese dürfen auch auf LKWs nur noch bis 2024 genutzt werden und auch nur dann, wenn die Reifen bis Ende 2017 hergestellt wurden.
Alpine-Symbol-Reifen Die neuen Winterreifen, die nach Vorgaben des Gesetzgebers verwendet werden dürfen, besitzen ein Alpine-Symbol. Dieses Alpine-Symbol wird durch ein Bergpiktogramm dargestellt. Dieses Piktogramm besitzt zudem eine Schneeflocke. Auf den Winterreifen muss das Alpine-Symbol in Zukunft gut erkennbar sein. Spätestens ab 2024 müssen LKWs mit solchen Reifen unterwegs sein.

Der Unterschied zwischen den Reifen liegt aber nicht nur der Kennzeichnung zugrunde. Für die Reifen mit Alpine-Symbol gelten auch ganz andere Anforderungen als es bei den M+S-Reifen der Fall ist. So werden die Alpine-Symbol-Reifen vor der Zulassung einem Bremstest auf Schnee unterzogen. Nur wenn sie diesen auch bestanden haben, werden sie tatsächlich als Winterreifen zugelassen. Sie haben also mit diesen Winterreifen auch einen höheren Qualitätsstandard.

Reifendruck und Profiltiefe bei den LKW-Reifen im Winter

Neben der Reifenart spielen bei der Auswahl der Winterreifen für den LKW und der sicheren Fahrt in der kalten Jahreszeit weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Ein Punkt, der zunächst berücksichtigt werden muss, ist der Reifendruck. Auf einem LKW müssen Reifen in der Regel einem deutlich höheren Reifendruck standhalten. Deswegen ist es hier auch besonders wichtig, dass die Reifen intakt sein. Bei starkem oder auch unregelmäßigem Verschleiß besteht nämlich immer die Gefahr, dass die Reifen nicht halten. Ein geplatzter Reifen stellt ein enormes Sicherheitsrisiko dar.

Sowohl beim Aufziehen der Winterreifen als auch während der Nutzung ist deswegen unbedingt eine regelmäßige und umfassende Kontrolle durchzuführen. Zeigen sich ungleichmäßige Abnutzungserscheinungen, sollten Sie schnellstmöglich reagieren.

Ein wichtiges Thema, bei dem die Meinungen bis heute sehr weit auseinandergehen, ist die Profiltiefe. Die Profiltiefe ist durchaus entscheidend dafür, wie gut der Halt auf der Fahrbahn bei Schnee und Matsch ist. Der Gesetzgeber zeigt sich hier überraschenderweise wenig anspruchsvoll. Ihm reicht eine Profiltiefe von 1,6 mm aus.

Fragen Sie LKW-Experten, werden Sie jedoch eine vollkommen andere Empfehlung erhalten. Hier wird nämlich bis heute zu deutlich mehr Profil geraten. Es sollte wenigstens sechs bis acht Millimeter umfassen. In vielen europäischen Ländern wird übrigens eine höhere Profiltiefe als in Deutschland vorgeschrieben. Wer also international mit dem LKW unterwegs ist, sollte sich hier umfassend informieren und hier eben auch noch einmal eine Kontrolle der Profiltiefe vornehmen, bevor es losgeht.

TIPP: Die Profiltiefe der Reifen sollten Sie in regelmäßigen Abständen messen. Als Hilfsmittel können Sie hier zum Beispiel auf eine Geldmünze ausweichen.

Das Gesamtgewicht des LKWs ist entscheidend

Die situative Winterreifenpflicht unterscheidet in Deutschland sehr deutlich zwischen den LKWs, mit einer Gesamtmasse von weniger als 3,5 Tonnen und den Fahrzeugen, die mehr wiegen. Kleine LKWs unter 3,5 Tonnen müssen sich nämlich an die Winterreifenpflicht für PKW halten. Das heißt: Diese Fahrzeuge müssen schon jetzt mit Winterreifen auf allen Achsen und Positionen versehen sein.

Erst wenn ein LKW mehr als 3,5 Tonnen wiegt, reichen die Winterreifen auf den Antriebsachsen bislang noch aus. Dies gilt übrigens nicht nur für die LKWs, sondern betrifft beispielsweise auch Busse. Wenn Sie nicht mit der richtigen Bereifung im Winter unterwegs sind, müssen Sie als LKW-Fahrer ebenso mit Bußgeldern rechnen. In der Regel bewegen sich diese bei 60 Euro, wenn das Fehlen der Winterreifen bei einer Verkehrskontrolle auffällt. Wenn Sie aufgrund einer unpassenden Bereifung andere Verkehrsteilnehmer behindert oder sogar in Gefahr gebracht haben, müssen Sie sogar mit einer Geldstrafe von 100 Euro rechnen. Das Bußgeld steigt noch einmal an, wenn sich aufgrund der falschen Bereifung ein Unfall ereignet hat. In diesem Fall werden 120 Euro fällig und der LKW-Fahrer bekommt einen Punkt.

Auch für LKWs gilt: Schneeketten sind nur in Ausnahmen erlaubt und auch nur, wenn es ausdrücklich ausgewiesen ist.

TIPP: Für LKWs sind wie auch für PKWs in Deutschland Spikereifen verboten. Ausgenommen sind hier lediglich die Verbindungen, die es im sogenannten Kleinen Deutschen Eck gibt.

Winterreifen dienen auch auf dem LKW vor allem der Sicherheit des Fahrers. Wir zeigen in der folgenden Übersicht noch einmal die Vor- und Nachteile:

Vor- und Nachteile von Winterreifen für LKW

  • sicheres Vorankommen bei Eis und Schnee
  • erhöhen die Mobilität
  • senken das Unfallrisiko maßgeblich
  • sorgen für kürzere Bremswege
  • bislang nicht auf allen Achsen vorgeschrieben
  • keine Garantie für Mobilität im Winter

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern hat der Gesetzgeber konkrete Anforderungen an die Bereifung von LKWs im Winter definiert. Wir möchten zum Abschluss noch einmal die gesetzlichen Grundlagen in einigen Ländern zusammenfassen:

  • Dänemark: In Dänemark gibt es überhaupt keine generelle Winterreifenpflicht. Sie dürfen aber sowohl Schneeketten als auch Spikes verwenden und zwar in der Zeit vom 1. November bis 15. April.
  • Italien: Auch Italien verzichtet auf eine generelle Winterreifenpflicht und baut stattdessen auf den situativen Ansatz. Demnach müssen Winterreifen immer aufgezogen werden, wenn es eine entsprechende Beschilderung hierfür gibt. Außerdem müssen Sie in Italien Schneeketten mitführen.
  • Norwegen: In Norwegen sind die Vorgaben des Gesetzgebers mit regionalen Unterschieden behaftet. Das heißt: Sie müssen in Südnorwegen vom 1. November bis zum ersten Montag nach Ostern Winterreifen mit einer Profiltiefe von mehr als 3,5 mm verwenden. In Nordnorwegen muss diese Bereifung bis zum 30. April eingesetzt werden. Es gilt außerdem auch hier eine Mitführpflicht für Schneeketten. In Norwegen sind übrigens auch Reifen mit Spikes erlaubt.
  • Schweden: Auch in Schweden dürfen Sie sich mit Spikereifen auf den Weg machen. Die Verwendung ist vom 1. Oktober bis zum 15. April erlaubt. Sie sollten bei LKW-Fahrten durch Schweden generell die Schneeketten mitführen. Die Winterreifen müssen hier ein Profil von wenigstens 5 mm haben.
  • Österreich: In Österreich erwarten Sie hohe Bußgelder, wenn Sie gegen die Winterreifenpflicht vom 1. November bis 15. April eines Jahres verstoßen. Neben einem Führerscheinentzug können Bußgelder von bis zu 5000 Euro verhängt werden. Die Profiltiefe muss hier je nach Reifenart zwischen 5 und 6 mm liegen.

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